Heilmittelverordnungen für Kinder & Jugendliche

Ablauf der Erstverordnung eines Heilmittels in unserer Praxis

Vor der Verordnung eines Heilmittels zu Lasten der Krankenkassen ist - laut Heilmittelrichtlinie - eine Eingangsdiagnostik, inkl. Testung bzw. Objektivierung des abweichenden Befundes durchzuführen.

 

Hierbei müssen folgende Aspekte konkret definiert werden:

  1. heilmittelrechtfertigende Diagnose/Arbeitsdiagnose
  2. geplantes Heilmittel in Art, Frequenz und Umfang
  3. konkretes Therapieziel (ggf. Zwischenziele)
  4. Vereinbarung von Verlaufskontrollen

 

Als hausärztlich tätige Kinder- und Jugendmediziner sind wir in primär fachfremden (z.B. bei nicht-organischen) Fragestellungen (u.a. Verhaltensabweichungen, psychische oder emotionale Problemfelder, komplexere Entwicklungsstörungen) gezwungen, an hierfür spezialisierte Ansprechpartner (Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ), Kinder- und Jugendpsychiater, Pädaudiologie) zu überweisen.

 

Erst nach einer uns vorliegenden und ausreichend aussagekräftigen Eingangsdiagnostik (Kriterien s.o.), kann ggf. eine Erstverordnung des Heilmittels über unsere Praxis erfolgen (jeweils bis zur nächsten Therapieverlaufskontrolle beim Ansprechpartner).

 

Bei Verhaltensabweichungen (u.a. soziale Schwierigkeiten, Konzentrations-Aufmerksamkeitsstörung), als auch bei psychisch-emotionalen Problemfeldern, empfehlen wir die Verordnung des Heilmittels über den Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Diesem wurden vor diesem Hintergrund mit dem Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung, Anfang des Jahres 2021, die Verordnung einer Ergotherapie bei definierten Krankheitsbilder ermöglicht.

 



Was ist Ihr Beitrag zum Erreichen des Therapieziels

Die Überwindung von Entwicklungsproblemen kann nur gelingen, wenn Sie in Heimarbeit einen täglichen Übungs- und Lernprozess vollziehen. Die wöchentliche Anleitung des Therapeuten kann hier nur lenkende Wirkkung haben. 

 

Eltern sollen und können nicht die „Therapeuten“ Ihrer Kinder sein, aber ohne den täglichen Transfer der Therapieinhalte in Ihren Familienalltag, kann der beste Therapeut nicht viel bewirken.

 

 

Ein Therapieerfolg für Ihr Kind wird sich nur einstellen, wenn:

  • Sie mindestens 15 Minuten täglich die vom Therapeuten gegebenen Aufgaben mit Ihrem Kind üben
  • Sie nach Anleitung des Therapeuten Abläufe und/oder Lebensgewohnheiten als Familie verändern

 



Ablauf einer Folgeverordnung eines Heilmittels in unserer Praxis

Therapieverlaufskontrolle:

Nach jeweils 20 Therapiestunden vereinbaren Sie bitte einen Kontrolltermin in unserer Praxis und besprechen mit uns die bisherigen Therapiefortschritte und die häuslich durchgeführten Übungen und Materialien.

Zusätzlich sind wir an die Terminvorgaben der externen Eingangsdiagnostik gebunden. Vereinbaren Sie daher bitte frühzeitig, entsprechend den Empfehlungen im Abschlussbericht, einen Termin zur Therapieverlaufskontrolle in der Institution der Eingangsdiagnostik (SPZ, Pädaudiologie, Kinder- Jugendpsychiater). Weitere Heilmittel können erst NACH der stattgehabten Verlaufskontrolle erfolgen.

 

 

Therapiebericht:

Zur Folgeverordnung von Heilmitteln benötigen wir laut Heilmittelrichtlinie konkrete, alltagsrelevante und überprüfbare Therapieziele, sowie eine realistische Vorgabe zu dem hierfür angedachten Therapiekontingent.

Diese Informationen sollten regelmäßig von den Heilmittelerbringern, in Form des Therapieberichtes (alle 10 Einheiten), an uns übermittelt werden. Ohne einen aussagekräftigen Therapiebericht ist ebenfalls keine Folgeverordnung möglich.

 

 

Erstellung der Folgeverordnung:

Eine Heilmittelverordnung ist 4 Wochen (vom Zeitpunkt der Austellung, bis zum ersten Heilmitteltermin der Verordnung) gültig. 

Kontaktieren Sie uns daher bitte frühzeitig zur Erstellung einer Folgeverordnung des Heilmittels (am besten per Mail bereits vor der letzten Therapieeinheit der laufenden Heilmittelverordnung) und beachten Sie oben genannte Voraussetzungen.

Wir benötigen ca 2 - 4 Werktage zur Prüfung Ihrer Anfrage und Erstellung einer entsprechenden Folgeverordnung. Im Anschluss informieren wir Sie (per SMS/Mail), dass die Verordnung für Sie bereit liegt. In Einzelfällen kann die Zustellung per Post erfolgen. 



Erreichen des vorher vereinbarten oder des orientierenden Behandlungsvolumens

Wenn Sie von uns Heilmittelverordnungen zur Therapie einer Entwicklungsproblematik Ihres Kindes erhalten haben, wird immer auch ein Therapiekontingent definiert.

 

Entweder handelt es sich um das vom Gesetzgeber definierte "orientierenden Behandlungsvolumen" für die bei Ihrem Kind diagnostizierte Entwicklungsabweichung oder aber um ein vorher vereinbartes bzw. von extern vorgegebenes Therapievolumen.

 

Sollten Sie als Eltern oder der Heilmittelerbringer (Praxis für Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie) einen weiterführenden Behandlungsbedarf sehen, bitten wir Sie um eine rechtzeitige Terminvereinbarung in einer für die entsprechende Entwicklungsabweichungen spezialisierten Institution:

 

Logopädieverordnung

--> in einer sog. "Pädaudiologie", allermeist einer pädaudiologischen Abteilung einer HNO-Klinik.

 

Ergotherapieverordnung

--> nach Rücksprach mit uns, entweder in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ), allermeist angegliederte Abteilung an einer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin oder bei einem Kinder- und Jugendpsychiater.

 

Physiotherapie

--> nach Rücksprache mit uns, entweder bei einem "Kinderorthopäden" oder einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).

 

Erst nach Mitbeurteilung einer hierauf spezialisierten Institution erfolgt eine weitergehende Kostenübernahme der Förderung über Ihrer Krankenkasse. Eine für die Mitbeurteilung ggf. notwendige Überweisung, als auch die entsprechenden Kontaktdaten der regionalen Ansprechpartner, können Sie jederzeit bei uns abholen.